Ausstellung und Veranstaltungensreihe zum ehemaligen KZ Uckermark in Berlin vom 01.09. bis 27.11.2014

Bitte beachten Sie, dass bei einigen Veranstaltungen eine Anmeldung erforderlich ist! Kontakt unter: veranstaltungen-kz-uckermark@gmx.de, Tel.: 01573 7431691

Die Veranstaltungen werden keinen Eintritt kosten. Damit möchten wir einer sozialen Ausgrenzung vorbeugen und allen die Möglichkeit geben, an Veranstaltungen teilzunehmen. Wir freuen uns deswegen sehr über Spenden, entweder bei den Veranstaltungen oder auf das Konto:
Initiative Gedenkort KZ Uckermark
Kto.Nr. : 468579106 / BLZ: 10010010 Postbank Berlin
oder
IBAN: DE93 1001 0010 0468 579106 / BIC: PBNKDEFF

Telefonnummer für Rollstuhlfahrer_innen: 01573 7431691

Der Flyer zur Veranstaltungsreihe(>2MB) und die Pressemitteilung können auch als PDF heruntergeladen werden.

"eine muss den mund halt aufmachen"

"Eine muss den Mund ja aufmachen", sagte Anita Köcke im Jahr 2001, als sie das erste Mal seit ihrer Gefangenschaft im Jugendkonzentrationslager Uckermark auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers war. Diese Aussage hat sich die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. zu Herzen genommen und möchte auch weiterhin aufklären und einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen, was dort geschehen ist.

Das Konzentrationslager Uckermark liegt ca. 90 km nord - östlich von Berlin. Dort waren im Jugend- Konzentrationslager zwischen 1942 - 1945 hauptsächlich Mädchen und junge Frauen inhaftiert, die von den Nazis als "asozial" bezeichnet und verfolgt wurden. Auch politisch Verfolgte und Partisaninnen aus Slowenien gehörten zu den Häftlingen. Zur dritten und kleinsten Gruppe der Lagerhäftlinge gehörten rassistisch Verfolgte Sinti- und Romamädchen, sowie von den Nazis genannte "Judenmischlinge". Ihr Alltag war zu einem großen Teil geprägt von Hunger, Kälte, körperlicher und psychischer Gewalt, Demütigung, Zwangsarbeit und Angst. Ab Ende 1944 wurde ein Großteil des Jugend - KZs geräumt, um dort Häftlinge des benachbarten Frauen - KZ Ravensbrück systematisch zu ermorden. In der kurzen Zeit zwischen Januar und April 1945 wurden bis zu 6000 überwiegend aus Osteuropa stammende Häftlinge mit jüdischem Hintergrund ermordet.

Das KZ Uckermark wurde lange Zeit in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Bis heute haben die meisten ehemaligen Häftlinge keine öffentliche Anerkennung erfahren. Viele Täter_innen konnten ihre Karrieren nach 1945 ungebrochen fortsetzen. Auch die Ideologien haben sich teilweise fortgesetzt, so wird beispielsweise das Wort "Asozial" noch heute mit ähnlichen Vorstellungen als Beleidigung benutzt.

Die Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. setzt sich seit 1997 dafür ein, auf dem ehemaligen KZ - Gelände einen würdigen Gedenkort zu gestalten. Gedenken heißt für uns z. B. den Erlebnisberichten der Verfolgten einen Raum zu geben und die Vergangenheit verstehen zu lernen. Es heißt für uns auch, sich mit den Kontinuitäten auseinander zu setzen und aktuell gegen Herrschaftsverhältnisse zu kämpfen. Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir alle in Berlin (und auch an anderen Orten) lebenden Menschen einladen sich mit den unterschiedlichen Themen, die das KZ Uckermark betreffen, auseinanderzusetzen


01. Sep 2014

Montag 19 Uhr: Jugendzentrum „Schloss 19“, Schlossstr.19, 14059 Berlin- Charlottenburg

Ausstellungseröffnung

mit einem Vortrag zur Geschichte des ehemaligen KZ Uckermark. Vorstellung der neuen Broschüre, die ergänzend zur Ausstellung erstellt wurde.

Öffnungszeiten (bis 25.09.2014):
Mo - Do: 15:00- 21:00 Uhr
Fr & Sa: 14:00- 21:00 Uhr


06. Sep 2014

Samstag ab 11:30-19:30 Uhr Busfahrt zum Gelände des ehemaligen KZ Uckermark.

Rundgänge auf dem Gelände und viel Zeit für Fragen, Anregungen und Gespräche

Es geht pünktlich(!) um 11:30 Uhr vom Ostbahnhof los. Anmeldung erforderlich unter: bustour.uckermark@gmx.de
Kosten: 15€ (am Geld soll es aber nicht scheitern) [das Geld bitte auf unser unten genanntes Konto unter dem Stichwort „Bustour“ überweisen].Gegen 19:30 Uhr werden wir wieder in Berlin sein. Bitte selbst an Verpflegung für den Tag denken – es gibt vor Ort keine Möglichkeit Essen oder Trinken zu kaufen!


09. Sep 2014

Dienstag um 18 Uhr: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin- Prenzlauer Berg

Workshop: „Sozialrassistische Denkkonstrukte aufbrechen“.

Im Workshop werden Inhalt, Wesen und Funktion der Stigmata "asozial" und "arbeitsscheu" aufgezeigt. Anhand von Verordnungen und Gesetzen werden historische Kontinuitäten der Stigmatisierung und Verfolgung Einkommensarmer und Erwerbsunfähiger in den Jahren 1534, 1760, 1851, 1933 und 1946 und ihre Konstruktionen erklärt. An Einzelbeispielen wird die Nachhaltigkeit und die Wirkmächtigkeit der Stigmata und ihre Kontinuitäten bis heute dargelegt.
Ziel ist es, entdiskriminierende Vorschläge zur Darstellung von überlieferten Biografien gemeinsam zu entwickeln.
Anne Allex, N.N. (Arbeitskreis - Marginalisierte-gestern und heute!)


13. Sep 2014

Samstag 13-18 Uhr: Jugendkulturetage Mosaik, Oranienstrasse 34 (HH), 10999 Berlin– Keuzberg

Workshop zu Klassismus

Klassismus bezeichnet strukturelle Benachteiligungen und Diskriminierungen aufgrund der sozialen Klasse. Wir wollen uns in dem Workshop aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema Klassismus nähern. Methodische Grundlage ist unter Anderem das von Heike Weinbach und Leah Carola Czollek entwickelte Social-Justice Modul zum Thema Klassismus. Anzahl der Teilnehmer_innen auf 15 begrenzt. Anmeldung: klassismusworkshop@gmx.de, Tanja Abou


14. Sep 2014

Sonntag 12-17 Uhr: Jugendkulturetage Mosaik, Oranienstrasse 34 (HH), 10999 Berlin– Keuzberg

Empowerment Workshop

Dieser Workshop ist von und für Klassismus Betroffene. Unser Ziel ist, durch verschiedene Übungen und Diskussionen den Zusammenhang von Klasse, Race und Gender herzustellen, sichtbar zu machen und zu thematisieren. Wir wollen dabei einen Raum kreieren, wo es die Möglichkeit gibt sich gleichzeitig gegenseitig empowern zu können. Wer macht die Regeln und wer hat da was von?
Anzahl der Teilnehmer_innen auf 15 begrenzt. Anmeldung: klassismusworkshop@gmx.de, Shuka u. Natalia LizamaLarrain


24. Sep 2014

Mittwoch 19 Uhr: Buchladen OH 21, Oranienstrasse 21, 10999 Berlin– Kreuzberg

Lesung mit Sieglinde Helmsdorf, "Ich hatte vier Mütter und drei Väter ... und dazwischen war Haus Sonnenschein".

Sieglinde Helmsdorf (geb. 1937) verlor in früher Kindheit beide Eltern, die im nationalsozialistischen Deutschland als "Asoziale" verfolgt und im KZ ermordet wurden. Sie selbst geriet in das NS-"Fürsorge"-System.


26. Sep 2014

bis 30.10.2014: Alice-Salomon-Hochschule, Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin- Hellersdorf

Ausstellung zum Jugend-Kz Uckermark

Die neue Ausstellung zur Geschichte des Jugendkonzentrationslagers Uckermark ist in der Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 8 - 18 Uhr (bis 30.10.2014)


30. Sep 2014

Dienstag 19 Uhr: Projektraum Hermannstr. 48, 12049 Berlin-Neukölln

Vortrag: "Ein KZ mitten im Dorf".

Im Jugendkonzentrationslager Moringen (Niedersachsen) litten zwischen 1940 bis 1945 ca. 1400 Jungen und junge Männer aus ganz Europa unter Zwangsarbeit, extremem Hunger und körperlichen Misshandlungen. 10% der Jugendlichen überlebten das Lager nicht. Nach der Befreiung aus dem Jugend-KZ mussten die Überlebenden erfahren, dass sie auch weiterhin `nicht erwünscht´ waren und ausgegrenzt wurden, während die Täter unbestraft teilweise entscheidende Positionen in der Bundesrepublik Deutschland einnahmen. Schwerpunkt des Vortrages werden Lebensgeschichten, die Entstehungsgeschichte des Jugend-KZ Moringen, aber auch das Danach bis in die Gegenwart sein. Annegrit Berghoff ist Mitglied der Lagergemeinschaft KZ Moringen.


10. Okt 2014

Freitag 19 Uhr: Haus der Demokratie und Menschrechte, Greifswalder Str.4, 10405 Berlin– Prenzlauer Berg.

"Ich habe dem Jugendamt gehört, ich bin ja unehelich geboren"

Zitat Anita Köcke, ehemaliger Häftling des Jugend-KZ-Uckermark. Eine Veranstaltung zur Fürsorgepolitik von der Weimarer Republik bis heute, mit Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus.


15. Okt 2014

Freitag 14 Uhr: Alice-Salomon-Hochschule, Alice-Salomon-Platz 5, 12627 Berlin- Hellersdorf

Vortrag zur Ausstellung

Vortrag zur Geschichte des ehemaligen KZ Uckermark, Vorstellung der neuen Broschüre, die ergänzend zur Ausstellung erstellt wurde.


15. Okt 2014

Freitag 19 Uhr: Kino Moviemento, Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin- Kreuzberg

Filmvorführung mit anschließendem Gespräch: „Was hat Hamburg nur mit euch Frauen gemacht?“

Die Dokumentation setzt sich mit der Verfolgung von Frauen im Nationalsozialismus auseinander. Stellvertretend für tausende Frauen in Deutschland, denen es ähnlich erging, erzählen drei Frauen von ihren Schicksalen als Kinder und Jugendliche in Hamburger Fürsorgeerziehungsheimen und Arbeitshäusern. Achtung Triggerwarnung, im Film wird auch über sexuelle Gewalt gesprochen!


22. Okt 2014

Mittwoch 19 Uhr: Buchladen OH 21, Oranienstrasse 21, 10999 Berlin– Kreuzberg

Lesung mit Ingelore Prochnow und Anne Böhnisch aus dem Buch „Kinder von KZ-Häftlingen- eine vergessene Generation"

Ingelore Prochnow kam im April 1944 im KZ Ravensbrück zur Welt und überlebte als Baby wohl nur durch Solidarität unter den Frauen. Seit den 1980er Jahren hat sie sich auf Spurensuche zu ihrer Vergangenheit und Herkunft gemacht und konnte so ihre Geschichte rekonstruieren. Anne Böhnisch wurde im Mai 1944 geboren. Beide Eltern waren im KZ, die Mutter gilt seither als vermisst. Seit 2008 hat sich Anne Böhnisch auf die Spurensuche nach ihren Eltern begeben. Mit musikalischer Begleitung, am Akkordeon: Tanja Buttenborg. In Kooperation mit der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V.


03. Nov 2014

Montag 14 Uhr: Bezirksamt Kreuzberg, Yorckstraße 4- 11, 10965 Berlin- Kreuzberg

Ausstellungseröffnung und Vortrag

Vortrag zur Geschichte des ehemaligen KZ Uckermark.

Öffnungszeiten (bis 29.11.2014):
Mo: 8:00- 15:00 Uhr
Di & Do: 9:00- 18:00 Uhr
Mi & Fr: 8:00- 13:00 Uhr


06. Nov 2014

Donnerstag 19 Uhr: K-fetisch, Wildenbruchstr.86, 12045 Berlin-Neukölln

Vortrag: Ausgrenzung als Kontinuität

Die Ausgrenzung von als „Asozial“ bezeichneten zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Während des NS wurde diese konstruierte Gruppe von Menschen verfolgt und ermordet. Zwar endete 1945 die Vernichtung dieser Menschen, doch Ausgrenzung und Stigmatisierung gingen an vielen Punkten weiter. Auch für viele Täter_innen stellte das Jahr 1945 keinen Bruch in ihren Karrieren dar. Sowohl von staatlich-juristischer Seite, als auch auf gesellschaftlicher Ebene wirkt das Stigma weiter. Vortrag der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.


11. Nov 2014

Dienstag 18 Uhr: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin– Prenzlauer Berg

"Weil ich es denjenigen schuldig bin, die im Lager geblieben und gestorben sind"

Am 1.Dezember 1942 wurde- auf dem Gelände des "Ghettos Litzmannstadt"- das Kinder- und Jugend- KZ "für kriminelle und asoziale polnische Mädchen und Jungen" eingerichtet. Gründe der Inhaftierung waren oft lediglich kleine Diebstähle von Nahrungsmitteln, unerlaubter Erwerb von Lebensmittelkarten, "Verwahrlosung". Aber auch Waisen (sog. "Terroristen und Banditenkinder") von verschleppten Zwangsarbeiter_innen, Partisan_innen und Massakeropfern wurden von der Reichskriminalpolizei, den Jugendämtern und der SS dort eingewiesen. Bis zur Befreiung des Lagers am 18.Januar 1945 wurden tausende Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 16 Jahren inhaftiert. Sie waren Hunger, Zwangsarbeit und körperlicher Gewalt ausgesetzt, viele von ihnen starben. Die beiden Überlebenden des Kinder- und Jugend-Konzentrationlagers in Łódź Czeslawa Henke und Alfreda Bolinska werden von ihren Erfahrungen im Lager berichten, über Schwierigkeiten und Möglichkeiten der Solidarität und auch dem Weiterleben nach der Befreiung vom Nationalsozialismus. Moderation und Einleitung: Stewo Jędrzejczyk. In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung.


14. Nov 2014

Freitag 19 Uhr: Galerie Olga Benario, Richardstr. 104, 12043 Berlin-Neukölln

Löchriges Reden – Hallendes Schweigen. Nationalsozialismus und Familiengeschichten: Eine Spurensuche in der deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Die deutsche Gegenwartsgesellschaft ist durchzogen von Folgen und Kontinuitäten des Nationalsozialismus. Während für die Verfolgten und nachfolgende Generationen die Erlebnisse und deren Auswirkungen gegenwärtig spürbar bleiben, gibt es auf dominanzdeutscher (Mit-)Täter_innenseite seit dem Kriegsende 1945 das Bestreben die NS-Verbrechen in die Vergangenheit zu verbannen und sich davon los zu sagen. In einer Abendveranstaltung wollen wir Teile unserer eigenen Auseinandersetzung mit NS- Täter_innenschaft in familiären, sozialen und anderen gesellschaftlichen Kontexten aufzeigen. Wir möchten damit einige Impulse für Handlungsmöglichkeiten geben und Raum für Austausch zwischen den Teilnehmenden schaffen.


19. Nov 2014

Mittwoch 19 Uhr: Café Cralle, Hochstädter Str.10a, 13347 Berlin-Wedding

Film und Vortrag zur aktuellen Situation des Gedenkortes ehemaliges KZ Uckermark

Der Film „Zugang erwünscht“ (50 min) von James Rosalind und Sven Schütze wird gezeigt. Im Anschluss werden Mitglieder der Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. über den aktuellen Stand des Geländes sprechen.


27. Nov 2014

Donnerstag 20 Uhr: SO36, Oranienstr. 190, 10999 Berlin– Kreuzberg

Lesung mit Esther Bejarano und Konzert mit Bejaranos & Microphone Mafia

Zum Abschluss unserer Veranstaltungsreihe noch einmal ein Höhepunkt. Esther Bejarano, Überlebende der KZs Auschwitz und Ravensbrück liest aus ihrem neuen Buch „Erinnerungen“. Im Anschluss wird sie mit ihrem Sohn Joram und der Kölner Hip-Hop Band Microphone Mafia auftreten.