"Wir durften ja nicht sprechen. Sobald man Kontakt suchte mit irgendjemandem, hagelte es Strafen."

Aktuell leider nicht ausleihbar:

Ausstellung über das ehemalige Konzentrationslager für Mädchen und junge Frauen und spätere Vernichtungslager Uckermark (von 1998)

Wir möchten unsere Ausstellung den im Vernichtungslager ermordeten Frauen und den "vergessenen Opfern" des Mädchen-Konzentrationslagers widmen.
Den Mädchen und jungen Frauen, die auch nach 1945 weiterhin als "asozial" diskriminiert wurden und immer noch werden.

Ziel unserer Ausstellung ist, das Konzentrationslager Uckermark bekannter zu machen. Außerdem wollen wir die Forderung der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V. (LGRF), daß das Uckermark- und das Siemensgelände in die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (MGR) einbezogen wird, aufgreifen und öffentlich machen.

Hintergrund der Ausstellung

1998 fand in Berlin die Veranstaltungsreihe "An uns wurde weder ein Wort gerichtet, noch wurden wir etwas gefragt. Wir waren ja nichts." zum Konzentrationslager Uckermark statt. Diese nahmen wir zu dritt zum Anlaß, unsere Ausstellung zu erstellen. Zwei von uns hatten 1997 am FrauenLesben-Baucamp auf dem Uckermark-Gelände teilgenommen. Uns war es wichtig, die Ergebnisse der Ausgrabungen möglichst vielen zugänglich zu machen. Durch Fundamentreste und medizinische Funde (z.B. Spritzen und Ampullen), war es möglich, Rückschlüsse auf Größe und Lage der Baracken des Mädchen-KZs, aber auch auf die Lage des Vernichtungslagers (Januar - April 1945) innerhalb dieses Geländes zu ziehen.
Schnell war klar, daß es nicht reicht die neuen Erkenntnisse der Ausgrabungen in einer Ausstellung darzustellen, solange dieses Konzentrationslager so unbekannt ist. Wir beschlossen, sämtliche Informationen zusammenzufassen und mit unserem neuen Wissen zu ergänzen.

Leider sind vom Mädchen-KZ Uckermark so gut wie keine schriftlichen Dokumente vorhanden. Es gibt kein Fotomaterial.

Außerdem fanden die mädchenspezifischen Haftgründe bisher zu wenig Beachtung:
Mädchen wurden inhaftiert, weil sie Widerstand leisteten, sabotierten, die Arbeit verweigerten, die falsche Familie hatten (antifaschistische oder sog. asoziale) oder Sintezza oder Roma waren usw.
Mädchen (wie erwachsene Frauen auch) wurden aber ebenso mit der Begründung "sexuell verwahrlost" stigmatisiert und eingesperrt. Dabei handelte es sich um einen spezifisch weiblichen Inhaftierungsgrund. Dieses Stigma hängt, genauso wie die gesellschaftliche Ächtung "asozial", auch nach der Befreiung weiter an ihnen. Ihnen wurde indirekt die Schuld an ihrer Inhaftierung gegeben, nur die Art und Weise der nationalsozialistischen Verfolgung wurde kritisiert. Aus Angst vor erneuter Diskriminierung blieb diesen Opfern des Nationalsozialismus häufig nur übrig, ihre Zeit im KZ zu verschweigen. Diesen "vergessenen Opfern" möchten wir mit der Ausstellung eine späte Würdigung und Anerkennung geben.

Wir wollten aber nicht beim Informieren stehen bleiben, sondern auch unsere politische Meinung mit in die Ausstellung bringen. Stichworte sind hier: Kontinuität, Entschädigungszahlungen, Anerkennung als Opfer des Faschismus.

Auf der Schluß-Tafel mit dem Titel "... und gedenken?" werfen wir die Frage auf, ob bei einer zukünftigen Gestaltung des Geländes nicht eine besondere Form gefunden werden sollte, um dieser speziellen Opfergruppe zu gedenken. Weiterhin stellen wir die Zukunft des Uckermark-Geländes in den Zusammenhang mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Stadt Fürstenberg (Stichworte: Trassenführung für die B 96, Landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb usw.). Die Ausstellung schließt mit der Forderung der Lagergemeinschaft Ravensbrück/ Freundeskreis e.V. nach Einbeziehung des Siemens- und des Uckermark-Geländes in die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Seit Fertigstellung der Ausstellung im April 1998 war sie an folgenden Orten zu sehen:
Berlin, Eberswalde, Oldenburg, Kiel, Hamburg, Wittenberg, Köln, Bielefeld, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Gießen, München, Augsburg, Kempten (chronologische Reihenfolge).

Inhalt der Ausstellung

Die Ausstellung informiert über das Konzentrationslager Uckermark. Neben Themen wie Alltagsschikane, Lageraufbau, Verantwortliche usw., geht es auch um die spezifischen Gründe, warum Mädchen und junge Frauen im Lager Uckermark inhaftiert waren. Darüberhinaus werden die Erkenntnisse dargestellt, die aus den ersten Ausgrabungsarbeiten an diesem Ort (Sommer 1997) gewonnen wurden.

Die 11 Ausstellungstafeln haben folgenden Inhalt:

  1. Einleitung
  2. zeitlicher Überblick und Übersichtsplan
  3. kurzer Überblick über die Entwicklung in der Sozial- und Fürsorgepolitik, die Gesetze und Erlasse der Nationalsozialisten zur "Asozialenfrage"
  4. Errichtung und Aufbau des Konzentrationslagers
  5. bekannte Häftlingsgruppen im Konzentrationslager Uckermark
  6. Einweisungsprozedur (u. a. Zeitzeuginnenaussagen)
    • Blockeinteilung
    • Tagesablauf / AlltagsSchikane (u. a. Aussagen der ehem. Lagerleiterin)
  7. Fortsetzung AlltagsSchikane (Aussagen der ehem. Häftlinge)
    • Zwangsarbeit (u. a. Zeitzeuginnenberichte)
  8. Auflösung des Lagers
    • Verbindung zum Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück
    • einige direkt und indirekt Verantwortliche
    • nach 1945
  9. das Vernichtungslager Uckermark (Januar - April 1945) (u. a. Prozeßaussagen ehem. Häftlinge des Vernichtungslagers, Berichte von 2 Mädchen des Mädchen-KZ, die Augenzeuginnen der Mißhandlung und Vernichtung der Frauen aus dem KZ Ravensbrück wurden)
  10. Spurensuche / Workcamps Sommer 1997 (fotografische Dokumente der ersten Ausgrabungen auf dem Gelände)
  11. ... und gedenken ? (Überblick über die bisherige Entwicklung und die zukünftigen Pläne, die das Gelände betreffen)

Über die Ausstellung

Die Ausstellung wurde als Wanderausstellung erstellt. Sie kann für eine Gebühr von mindestens 50 EUR pro Woche ausgeliehen werden. 25 EUR sind für die Deckung der Unkosten vorgesehen, der Rest geht als Spende an die Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis e.V.

Da es uns ein dringendes Anliegen ist, mit unserer Ausstellung die Arbeit der Lagergemeinschaft zu unterstützen möchten wir alle bitten, wenn möglich, mehr Geld zu spenden.
Als Zielgruppe sind uns FrauenLesben und Mädchen besonders wichtig.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr/Sie Interesse habt/haben, unsere Ausstellung zu zeigen. Es ist sinnvoll, die Ausstellung in einem Rahmenprogramm wie z.B. Film(e) und Veranstaltung(en) zu präsentieren.

Wichtige technische Informationen können Sie ausdrucken(pdf-Datei); zu beziehen war die Ausstellung über die Mail-Adresse info@gedenkort-kz-uckermark.de.

Wir sehen uns aktuell leider nicht in der Lage, diese Ausstellung zu verleihen.

Katalog

Die Druckversion des Katalogs zur Ausstellung ist leider ausverkauft und wird wohl nicht neu aufgelegt.

aber: Katalog online!!!

Seit Mai 2005 bieten wir den Katalog zum Gratisdownload im pdf-Format an. (ca. 700MB, umfasst 48 Seiten die die die gesamte Ausstellung beinhalten und noch einige Hintergrundinformationen weitergeben)

2010 - eine weitere Ausstellung

2010 konzipierte die Hamburger Uckermarkgruppe eine neue Ausstellung zum JugendKZ und späteren Vernichtungslager Uckermark.