Der Sammelband "Das Mädchenkonzentrationslager Uckermark"

Beiträge und Kurzbeschreibungen,
2 Beiträge hat der Verlag freundlicherweise als Volltext freigegeben

Das Lager Uckermark

Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle

Einleitung

Maike Merten, Katja Limbächer

"Das Jugendschutzlager Uckermark: Ein Experimentierfeld für die Umsetzung rassenhygienischer Utopien an Mädchen und jungen Frauen"

Maike Merten und Katja Limbächer geben einen Einblick in den Aufbau und die Funktionen des Jugendschutzlagers als Mädchenkonzentrationslager von 1942 bis 1945. Darüber hinaus untersuchen die Autorinnen, inwieweit das Lager tatsächlich normierende und disziplinierende Funktionen und welche ökonomische Bedeutung es für die Nazis hatte. Ebenso wird der Frage nachgegangen, inwiefern das Lager Teil der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik war.
Wesentliche Funktionen hatten die Institutionen der Disziplinierung - die Fürsorgeerziehungsbehörden - und die der Verfolgung - die Kriminalpolizei - , sie waren für die Beurteilung und Einweisung von Mädchen zuständig.

Esther Lehnert

"Pflegeamtsfürsorgerinnen und die Betreuung "gefährdeter" Frauen und Mädchen"

Esther Lehnert beschreibt in ihrer Untersuchung der Pflegeamtsfürsorgerinnen, die Beteiligung der Sozialen Arbeit und insbesondere der Frauen in diesem Berufszweig an der Beurteilung ihrer Klientel und den daraus möglichen folgenden Konsequenzen für die Betroffenen. Die fürsorgerische Arbeit ist ihr zufolge ambivalent zu beurteilen, da die in Notlage geratenen Mädchen und Frauen einerseits auf die Unterstützung durch die Fürsorge angewiesen waren. Andererseits wurden sie jedoch mit den bürgerlichen und im Extremfall arischen Vorstellungen der Fürsorgerinnen konfrontiert, die disziplinarisch auf die Frauen zu wirken versuchten und deren Beurteilung der Mädchen ihr weiteres Schicksal besiegelte.

Christa Schikorra

Die Landesanstalt Görden und das "Jugendschutzlager" Uckermark. Die Bedeutung von Rassenhygiene für die Internierung weiblicher Jugendlicher

Christa Schikorra beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Fürsorge, Psychatrie und Polizei bei der Disziplinierung von weiblichen Jugendlichen, die in das Mädchen-KZ Uckermark eingewiesen wurden. Es wird deutlich, dass den PraktikerInnen der Fürsorge sowie den Ärzten ein abgestuftes Handlungsinstrumentarium von Anstaltseinweisungen, Arbeitshaus und Jugendschutzlager zur Verfügung stand und auch genutzt wurde.

Ursula Nienhaus

Himmlers willige Komplizinnen - weibliche Polizei im Nationalsozialismus (1937-1945)

Ursula Nienhaus macht deutlich, wie sich durch die Kompetenzerweiterung für Frauen in der Kriminalpolizei neue Berufskarrieren mit der Ausweitung der Kontrolle der Kripo über als deviant eingestufte Jugendliche und der Einrichtung des Jugendschutzlagers Uckermark verbanden. Auch in diesem Bereich verschränkten sich auf eine ambivalente Weise die Hilfsangebote für in Not geratene Mädchen und Frauen mit ihrer gleichzeitigen Kontrolle und Disziplinierung, hinzu gesellte sich das Bedürfnis auf die Förderung der eigenen beruflichen Karriere.

Katja Limbächer, Maike Merten

Die Einweisungspraxis der Kriminalpolizei in das Jugendschutzlager Uckermark

Katja Limbächer und Maike Merten zeigen anhand der exemplarischen Auswertung von "Einzelfall-Vorbeugungsakten" einer Dienststelle der Kriminalpolizei, wie die Einweisungspraxis in das Jugendschutzlager Uckermark funktionierte. Dabei steht die Perspektive der Beamten auf die weiblichen Jugendlichen im Vordergrund. Es wird deutlich, wie sich der praktizierte rassen- hygienische Diskurs mit traditionellen bürgerlichen Werten in der Beurteilung der Mädchen mischte und ihre Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft rechtfertigte. Dabei verband sich für Frauen das Stigma "asozial" mit Verdacht des Verstoßes gegen die Sexualnormen oder ihr Verhalten wurde sexualisiert.

Die Überlebenden

Katja Limbächer

Von der Aufseherin im Jugendschutzlager zur Sozialinspektorin im Pflegeamt. Die Karriere der Antonie Leutner 1938-64

Katja Limbächer beschreibt die Nachkriegskarriere einer Kriminalbeamtin, die von 1942 bis 1945 Jugendschutzlager Uckermark als Aufseherin tätig war. Unmittelbar nach Kriegsende als Fürsorgerin im Gesundheitsamt angestellt, wurde ihre Tätigkeit als Aufseherin im Jugendschutzlager als berufliche Qualifikation gewertet. Die personellen wie auch ideologischen Kontinuitäten in der bundesdeutschen Fürsorge der Nachkriegszeit spiegeln sich hier wieder.

Käthe Anders

Nie gelebt

Käthe Anders, eine Überlebende aus Österreich, berichtet darüber, wie sie sich in ihrem Alltag den nationalsozialistischen Normen widersetzte und daraufhin unter dem Stigma "arbeitsscheu" und "asozial" in Heime und später ins Jugendschutzlager eingewiesen wurde.

Anita Köcke

"Wenn ich so auf diese Zeit zurückblicke, dann denke ich, das kann doch alles gar nicht so gewesen sein."

Ursula Heberlein

"75 Pfund habe ich bei meiner Befreiung gewogen und ich war 19 Jahre alt, aber ich sah älter aus, als ich heute bin."

Silvija Kavcic

Junge slowenische Frauen im Jugendkonzentrationslager Uckermark (VOLLTEXT als PDF-Datei)

"Junge slowenische Frauen im Jugendkonzentrationslager Uckermark" kann mit freundlicher Genehmigung des Verlags als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Katja Limbächer, Maike Merten, Bettina Pfefferle

Slowenische Überlebende berichten

Lebensgeschichtliche Interviews erzählen vom Leben der Frauen, die in Slowenien im Widerstand aktiv waren bzw. die in Kärnten/Österreich zur slowenischen Minderheit gehörten und dort gegen die deutsche Besetzung Widerstand leisteten:

Interview mit Stefanie Burger-Kelih im September 1999 - "Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich auch in den Wald gegangen."

Anni Kupper - "Wir versuchten, eine die andere zu trösten und uns damit diese Bitternis unseres jungen Lebens zu erleichtern."

Gruppengespräch - "Wahrscheinlich sind wir anders als wir sonst geworden wären."

Simone Erpel

Das "Jugendschutzlager" Uckermark als Vernichtungslager.

Simone Erpel macht deutlich, daß es bei der systematischen Vernichtung von Frauen aus Ravensbrück in diesem Lager offensichtlich vor allem um die Vernichtung von osteuropäischen Frauen und Jüdinnen ging.

Irma Trksak

"Und ich muß sagen, daß das die schwerste Zeit in meinem ganzen Leben war, die kürzeste, aber die schwerste Zeit, die ich in der Uckermark erleben mußte."

Irma Trksak, eine der wenigen Überlebenden, berichtet eindrücklich von dem schwierigen Er- und Überleben im Vernichtungslager Uckermark.

Petra Vollmer, Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes in Hamburg e.V.

Abwiegeln und Diskriminieren - zur Entschädigungspraxis gegenüber NS-Verfolgten

Petra Vollmer von der Projektgruppe für die vergessenen Opfer des NS-Regimes in Hamburg e.V. gibt einen Eindruck über den gesellschaftlichen Umgang mit den überlebenden Opfern und über die bundesrepublikanische Entschädigungspraxis. Ein Blick in die Gesetzeslage und die Entschädigungsregelungen zeigt, daß sich im Entschädigungsrecht die Klassifizierung und Hierarchisierung des NS-Verfolgungssystems fortschreibt. Einige Fallbeispiele illustrieren, wie Überlebende als Mitschuldige an ihrem Schicksal oder als BittstellerInnen behandelt wurden.

Das Lager nach '45

Matthias Antkowiak, Angelika Meyer

Der wiederentdeckte Ort - archäologische Ausgrabungen in Uckermark (VOLLTEXT als PDF-Datei)

"Der wiederentdeckte Ort" darf mit freundlicher Genehmigung des Verlags hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Sigrid Jacobeit

Zur Geschichte des Jugend-Konzentrationslagers Uckermark im Gesamtkonzept der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Stefanie Oswalt, Philipp Oswalt

Entwurf zur Gestaltung der erweiterten Gedenkstätte Ravensbrück

Rosel Vadehra-Jonas

Nach der Befreiung: Die 2. Geschichte des "Jugendschutzlagers Uckermark"

Bettie Höflich, Bixi Erhardt, Viola Klarenbach

Für eine lebendige Gedenkstätte am authentischen Ort

Info zur Ausstellung

"Wir durften ja nicht sprechen. Sobald man Kontakt suchte mit irgendjemandem, hagelte es Strafen"

aktuellste Info siehe Ausstellungen